Kann man unter einem Angriff abtauchen?

Immer wieder wird dem Kämpfer empfohlen, unter einem Faustangriff einfach abzutauchen. Die Schwierigkeit besteht allerdings darin, dass die Schwerkraft der einzige Antrieb ist, um nach unten wegzutauchen, sonst besteht keine Möglichkeit, sich aktiv nach unten zu ziehen.

Doch das geht nicht beliebig schnell. Die Person im Bild soll unter einem Faustangriff abtauchen. Die Faust zielt auf das Kinn der Person. Im gleichen Augenblick, in dem die Faust mit der Bewegung beginnt, reagiert die Person bereits und taucht ab? Wie lange dauert es, bis sie so weit gefallen ist, dass die Faust über dem Kopf hinwegschlägt?

Nach DIN 33402 liegen bei über 90% der Bevölkerung die Kopfhöhe zwischen 195-244mm., d.h. so weit muss der Kopf fallen. Die Faust muss sich als zwischen 0,2-0,22 sek. Zeit lassen, wenn sie nicht treffen will. Dabei handelt es sich um eine physikalisch notwendige Minimalzeit. Eine ansatzlos geschlagene Faust trifft aber schon nach 0,15-0,2 sek. Dazu kommt, dass das Opfer noch eine Reaktionszeit braucht, um auf den Faustangriff zu reagieren.

Normalerweise fallen alle Körperteile gleich schnell (das hatte bereits Galilei Galilei nach ausführlichen Fallversuchen vermutet), sofern nicht der Luftwiderstand bremst (spielt im Kampfsportbereich aber keine Rolle).

Dieser Beobachtung scheint es zu widersprechen, dass man die Hand schneller bewegen kann als den Körper. So ist es z.B. möglich, eine Orange fallen zu lassen und sie mit der gleichen Hand wieder aufzufangen. Der Grund liegt darin, dass sich der Arm im Schultergelenk am restlichen, schweren Körper abstützt und sich so nach unten drücken kann.

Sicherlich wird niemand ernsthaft das Abtauchen des gesamten Körpers trainieren. Oft sieht man jedoch ein Abtauchen und Ausweichen mit dem Oberkörper. Der Kämpfer geht dabei zur Seite und dann nach unten weg. Das geht schneller, weil ein Teil des Körpers (die Beine) stehen bleibt und der Rest des Körpers dafür um so schneller fällt. Grundregel der Physik ist, dass der Gesamtschwerpunkt immer gleich schnell fällt. In den Beinen sind etwa 38% der Körpermasse konzentriert, daher können sich die übrigen 62% mit Hilfe einer trainierten Muskulatur etwa 61% (1,0,62-1) schneller zu Boden bewegen, als es die Fallgeschwindigkeit erlaubt. Der Gesamtschwerpunkt fällt immer noch in Normalgeschwindigkeit, aber der Teilschwerpunkt der Beine bleibt auf gleicher Höhe und der Teilschwerpunkt des Oberkörpers fällt entsprechend schneller.

Der Erfolg des Abtauchens wird sehr vom Regelwerk bestimmt:

  • Wenn Angriffe nur oberhalb der Gürtellinie erlaubt sind, kann man sich durch Abtauchen aus dem gefährdeten Bereich zurück ziehen.
  • Wenn Kniestöße erlaubt sind, kann Abtauchen zu unangenehmen Nebenwirkungen führen.

Quelle: Körpermaße des Menschen, DIN 33402 Teil 2 (Stand Okt´86). Diese Norm wurde entwickelt, um die Gestaltung von Arbeitsplätzen zu erleichtern, denn sie enthält statistische Daten, z.B. über die Länge der Arme.